Ergänzung zur Cis-Definition

Die Begriffe „Cis-Frau“ und „Cis-Mann“ bezeichnen jeweils Menschen, die bei der Geburt als männlich* oder weiblich* zugeordnet werden und sich immer noch so definieren.
Unsere Kurz-Definition im Aufruf hat zu einigen Missverständnissen geführt. Der zweite Teil der Definition soll nicht suggerieren, dass Cis-Männer*, die sich mit ihrer Geschlechtsidentität schon mal beschäftigt haben, bzw. diese, oder ihr Verhalten reflektieren, an diesem Aktionstag teilnehmen können. Es ging uns darum zu verdeutlichen, dass sich nicht
bewusst als Cis-Mann* definiert werden muss (weil eben dieser Begriff nicht allen geläufig ist und wenige Menschen sich in ihrer Selbstdefinition als Cis bezeichnen) um trotzdem ausgeschlossen zu sein. Wir hoffen, dass diese Erklärung die Verwirrung auflösen kann.

Diese Begrifflichkeit kommt aus der Sexualwissenschaft und ist von der Trans*Bewegung aufgegriffen worden. Dahinter steht die Idee, dass damit nicht immer nur Trans*Menschen markiert und somit als von der Norm abweichend dargestellt werden. Cis*Männlichkeit und Cis*Weiblichkeit werden benennbar. Üblicherweise bleiben diese Geschlechtsidentitäten unbenannt, da sie als „normal“ und „natürlich“ gelten – Trans*Menschen hingegen werden in ihrem Alltag immer wieder damit konfrontiert, ihre Geschlechtsidentität erklären und benennen zu müssen. Durch diese Benennung wird immer wieder das „Andere“ gegenüber dem angeblich „Normalen“ konstruiert.

Die Vorsilbe „Cis“ beinhaltet keine Abwertung: Die Benennung von Cis-Geschlechtsidentitäten ist als politische Strategie innerhalb von bestehenden Geschlechterverhältnissen zu verstehen. Solange Diskriminierung u.a. über Markierung funktioniert, erscheint es notwendig, alle Identitäten zu benennen, um wenigstens ein Stück weit das Privileg, als „normal“ gedacht und damit nicht extra benannt werden zu müssen, aufzubrechen.

Den Cis-Frauen* im TBTN-Bündnis ist es aus den genannten Gründen wichtig, ihre eigene Cis-Identität und die damit einhergehenden Privilegien zu benennen und zu reflektieren. Da dies in unserem Aufruf leider zu wenig deutlich geworden ist, wollen wir das mit dieser Ergänzung nachholen.